Typische Fehlerquellen und die Rolle der Verteidigung
Einige Muster erklären, warum auch sonst günstige Akten scheitern. Zu spät eingebrachte Anträge, ein Aufschub, der nach dem Antrittstermin eingereicht wird, ein Antrag auf bedingte Entlassung, bei dem die Sozialprognose schon überholt ist, ein Hausarrest-Antrag drei Wochen vor Unterschreiten der 24-Monats-Grenze (bzw. zwölf Monate bei den Katalogtaten nach § 156c Abs 1 Z 1 StVG). Anträge ohne Substanz, ein Mietvertrag, der nicht unterschrieben ist, eine Arbeitgeberzusage, die nur „wir werden sehen" sagt, ein Therapieschreiben, das zwei Jahre alt ist. Unbearbeiteter Disziplinarbefund, ein positiver Suchtmitteltest aus dem dritten Monat, der bei der Entlassungsverhandlung zwei Jahre später ohne glaubhaften Abstinenzplan in den Raum steht. Fehlende Dokumentation des sozialen Umfelds, Partnerin, Geschwister, Arbeitgeber, Therapeutin, Selbsthilfegruppe: Jede dieser Beziehungen ist ein Baustein der Prognose und eine kurze schriftliche Stellungnahme von jeder Seite ist eine kleine Investition mit überdurchschnittlicher Wirkung.
Die Rolle der Verteidigung im Vollzug unterscheidet sich von der im Hauptverfahren. Die Strafe steht nicht mehr in Streit; was in Streit steht, ist die verwaltungsrechtliche Behandlung dieser Strafe. Das verlangt Vertrautheit mit dem StVG, mit der Praxis von Anstalt und Vollzugsgericht und mit der inneren Logik von Einstufung, Lockerung und Prognoseerstellung. Wir übernehmen die Vorbereitung der Anträge (Aufschub, Hausarrest, bedingte Entlassung, Lockerungen, Verlegung), die Ausarbeitung von Beschwerden gegen ablehnende Entscheidungen und die strukturelle Aufbereitung der Akte zum Entlassungszeitpunkt. In geeigneten Fällen kann Verfahrenshilfe in Anlehnung an §§ 61 ff. StPO beantragt werden; die wirtschaftliche Zumutbarkeit und die Art des Verfahrens entscheiden, ob sie gewährt wird.
Die Strafhaft in Österreich ist aus rechtlicher Sicht eine Abfolge von Verwaltungsentscheidungen, in der der Verurteilte nicht passives Objekt, sondern Antragsteller mit Rechten ist. Diese Rechte wirken am besten für denjenigen, der sie rechtzeitig, vollständig dokumentiert und mit Blick auf den nächsten entscheidenden Schritt ausübt, den Übergang in die Lockerung, in den Hausarrest, in die bedingte Entlassung. Die Zeit zwischen der Zustellung der Aufforderung und dem Entlassungstag ist, wenn sie gut genutzt wird, eine Kette von Anträgen. Jedes Glied stärkt das nächste.